Wenn klassischerweise drei Personen involviert sind, zwei Menschen der Hauptbeziehung und die ausserbeziehliche Affäre, dann würde es sich für alle drei involvierten Partner lohnen, sich in dieser Situation über die eigenen Beziehungsfähigkeiten und Wertvorstellungen bewusst zu werden und diese zu hinterfragen. Häufig ist auch die Beziehung der zwei Affären-Partner zu sich selbst schwierig und ihr Selbstwert, ihre Selbstakzeptanz und die Selbstliebe würden Arbeit benötigen.

Eine Affäre zu haben ist schlichtweg über lange Zeit «einfacher» als an sich selbst und seiner Beziehung zu arbeiten, denn das braucht manchmal Mut, Respekt, Verletzlichkeit und Arbeit am eigenen Selbstwert und die Fähigkeit, die Bedürfnisse des Anderen und das Glück der Beziehung vor die eigene kurzfristige Befriedigung zu stellen.

Nachdem ein Seitensprung passiert ist oder eine Affäre beendet wurde, stellt sich für viele Menschen die Frage, ob das Geschehene gestanden werden soll.

Hier ist es sicherlich wichtig zu unterscheiden, ob es ein einmaliger «Ausrutscher» war oder eine längerfristige Affäre, eine Art von Nebenbeziehung, in der es auch zu emotionaler Bindung kommen kann. Wenn Emotionen und Gefühle Teil der Affäre sind, dann gilt es, sich klar darüber zu werden, was man selbst wirklich möchte und mit allen Beteiligten so klar wie möglich zu kommunizieren und eine allfällige Entscheidung offenzulegen. Keiner soll weiterhin verletzt oder desillusioniert werden.

Wenn der Partner, der den Seitensprung oder die Affäre hatte, es in Betracht zieht, dem Partner alles zu gestehen, dann kann es um das eigene Wohlbefinden, sich damit frei von Schuld zu machen, mehr als um den eigentlichen Fortbestand der Beziehung oder die Wahrung der Ehrlichkeit zum Partner gehen. Das eigene Gewissen soll damit von Schuld und dem bitteren Nachgeschmack befreit werden. Der Partner wurde verletzt, das eigene Gewissen etwas befreit, aber die Beziehung kann damit auch komplett zerstört werden. Es geht hier nicht darum, Menschen zu empfehlen, ihr Verhalten zu gestehen oder nicht, dies weiterhin für sich selbst zu behalten oder die Beziehung weiter in Gefahr zu bringen. Es soll hier lediglich veranschaulicht werden, warum ein Mensch möglicherweise eine Affäre gesteht und dass dies auch aus egoistischen Beweggründen passieren kann.

Bei Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung oder vor allem bei stark ausgeprägt narzisstischen Zügen ist es meist nicht mal Gewissenssache. Vor allem Narzissten verfügen über zu wenig bis kein Mitgefühl für andere Menschen, ihnen sind die Gefühle des Partners relativ egal. Deswegen werden Narzissten häufig immer wieder Affären oder Seitensprünge haben und eignen sich damit nicht unbedingt für monogame Beziehungen. 

Wenn der Partner selbst von einem Seitensprung oder der Affäre erfährt, kann dies allerdings weiter dem Vertrauen in der Beziehung schaden. Gleichzeitig ist es aber auch fragwürdig und moralisch unausgeglichen, wenn der betrogene Partner nichts davon weiss und weiterhin im Dunkeln tappt, ohne sich Gedanken über den Fortbestand der Beziehung machen zu können.

Was weiter für ein Geständnis sprechen kann, ist die Tatsache, dass Vertrauen bloss wieder aufgebaut werden kann, wenn beide Partner sich über die Situation bewusst sind und wissen, wie es tatsächlich um die Beziehung steht. Wenn beide sich im Klaren über die Situation und das Passierte sind, dann kann das Paar zusammen an einer Veränderung und an der Beziehung arbeiten.

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