Viele Menschen haben derzeit Schwierigkeiten, sich genug von anderen Menschen abzugrenzen, besonders während der Pandemiezeit, wo wir viel mehr und intensiver mit den Menschen in unserem Haushalt zusammenleben. Wo wir sonst einige Katalysatoren und Abwechslung in unserem Alltag haben, sei dies auf der Arbeit, in unserem eigenen Freundeskreis oder bei unseren eigenen Terminen, wir sind selten so viel mit unseren Nächsten ununterbrochen zusammen gewesen wie gerade jetzt.

Diese Pandemie-Zeit bietet Nährboden für intimeren Austausch und man kann sich nochmals von einer anderen Seite oder auch auf einer tieferen Art und Weise kennenlernen. Dies birgt aber auch mehr Möglichkeiten für Auseinandersetzungen. Da ist es besonders wichtig, sich auch mal räumlich oder einfach persönlich abgrenzen zu können. Vielen Menschen fiel es bereits vor 2020 schwer, Nein zu sagen, sich abzugrenzen oder für seine eigene Meinung einzustehen. Dies wird aber durch unser räumlich intensiveres Zusammensein immer notwendiger zu lernen und wichtiger durchsetzen zu können. Innerer Frieden, Integrität und psychisches sowie physisches Wohlbefinden stehen dabei auf dem Spiel. Wenn sich die Werte und Ideen oder Meinungen unserer Nächsten von unseren eigenen klar unterscheiden oder gar unvereinbar sind, müssen wir nicht zum vermeintlichen Wohl der Beziehung unsere Eigenständigkeit aufgeben.

Wenn wir uns bewusst damit auseinandersetzen, uns eingestehen, dass wir noch immer uns selbst am nächsten und ein eigenes Individuum sind, dass uns Grenzen zu setzen oder uns abzugrenzen nicht einfach fällt, ist das bereits der erste Schritt zur Lösung. Es ist wichtig, physische und emotionale Grenzen zu setzen und uns auch daran zu halten, weil wir an diese Grenzen glauben. 

Es fällt vielen Menschen vermeintlich einfacher, der grossen Menschenmasse zu folgen, das macht uns aber nicht unbedingt glücklicher, wenn diese Ideen nicht unseren eigenen entsprechen. Es ist natürlich, dass wir gemocht und akzeptiert werden wollen und es scheint auf den ersten Blick so, dass wir dies am einfachsten erreichen, in dem wir den Ideen Anderer folgen, ohne dass wir unsere eigenen Meinungen oder Ideen erst reflektieren. So verneinen wir uns selbst.

Es geht nicht darum, negativ mit anderen zu kommunizieren oder andere ändern zu wollen, sondern lediglich darum, dass wir unsere eigenen Grenzen aufzeigen und entsprechend handeln und uns mitteilen. Wir können auch Meinungsverschiedenheiten haben und unsere Beziehungen bleiben trotzdem gut oder werden dadurch sogar stärker, wir sind uns selbst aber treu geblieben und Integrität mag zwar manche Menschen einsam machen, aber uns doch langfristig glücklicher stimmen, wir bleiben uns selbst treu und gestehen uns selbst den Respekt zu, den wir uns von anderen wünschen. Wir können auch Tätigkeiten nachgehen, die uns selbst gut tun, auch wenn unsere Nächsten dies nicht nachvollziehen können. So wachsen wir als Menschen. Es liegt an uns, dies klar und respektvoll zu kommunizieren und bei einer Überschreitung dieser Grenzen uns dagegen zu wehren. Wir können andere Menschen nicht ändern, aber wir können unsere Reaktionen anpassen. Dafür muss man sich auch nicht grämen, sich abzugrenzen braucht emotionale Reife, mentale Stärke und bedeutet langfristig, dass wir an uns arbeiten und uns selbst genug Platz und Wichtigkeit einräumen.

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